Arbeitgeberbewertungen machen aus begehrten Fachkräften Bewerber, aus Mitarbeitern Gebundene - Vergleich AG-Bewertungsportale

Dienstag, 26. April 2016, 12:46 Uhr

Holidaycheck, TripAdvisor, Trivago und Co. - Wer bucht heute noch eine Reise, Hotel oder Restaurant ohne sich vorher ein paar Sternebewertungen kritischer Besucher anzuschauen? Hotelmanager und Restaurantbetreiber managen diese Art von Kundenfeedback ganz pro aktiv. Besonders in Zeiten von Facebook, Twitter, und Co. sind solche Bewertungen auch noch ruck zuck mit Freunden geteilt. Mit Portalen wie kununu, jobvoting, www.Faire-Karriere.de, etc. stehen auch Arbeitgeber auf dem selben Prüfstand. Fachkräfte auf Jobsuche informieren sich ganz intensiv vor einer Entscheidung über den neuen Arbeitgeber. Bestehende Mitarbeiter werden auf diesen Portalen zu Botschaftern entweder zum anhaltenden Erfolg des Unternehmens und sorgen für Bindung oder geben kritisches Feedback zur kontiuierlichen Verbesserungen. Natürlich ist nicht jedes negative Feedback ein konstruktives. Einige der Arbeitgeberbewertungsplattformen bieten hier intelligente Lösungen an, um als Unternehmen angemessen darauf zu reagieren. Wir haben diese Onlineportale zur Arbeitgeberbewertung qualitativ mit Ihren Möglichkeiten für Arbeitgeber verglichen.

Eine BITKOM-Studie von 2013 zeigt: Jeder vierte User nutzt Arbeitgeberbewertungen für Jobentscheidung (http://www.bitkom.org/de/themen/54633_76188.aspx, Mai 2013). Das Randstand Arbeitsbarometer aus 2011 zeigt, dass Bewerber heute besser zum Arbeitgeber informiert sind. 66% informieren sich vor einem Vorstellungsgespräch auf Social Media über ihren zukünftigen Arbeitgeber. Interessant ist dabe, dass weniger als 50% diesen Informationen einfach vertrauen. Man ist skeptisch bei zu vielen positiven Bewertungen aber auch bei der ein oder anderen negativen Bewerbung, ob diese wirklich repräsentativ ist. Aber über 50% glauben, dass diese Informationen die Unternehmenskultur deutlich machen. Eine zentrale Frage ist dabei, gibt es überhaupt irgendwelche authentische Meinungen zum Unternehmen? Oder baut die Geschäftsführung eine dicke Mauer um Ihre Mitarbeiter? Wer jetzt glaubt dieses Social Media ist nur etwas für Junge Kids, der irrt. Am häufigsten nutzen die 30- bis 49-Jährigen die Bewertungsplattformen für Arbeitgeber, sagt die BITKOM Studie. Das sind unsere begehrten Professionals!

Arbeitgeberbewertungen spielen nicht nur eine Rolle bei der Mitarbeitergewinnung, sondern auch für die Mitarbeiterbindung. "Unternehmen, deren Arbeitsbedingungen von den Mitarbeitern positiv bewertet werden, weisen eine bessere Unternehmensperformance auf", laut Studie von Fulmer, Gerhart & Scott aus 2003.

Vorteile und Chancen von Arbeitgeberbewertungsplattformen

  • Positives und kritisches Feedback von Bewerbern, Mitarbeitern und Alumni zur kontinuierlichen Verbesserung der eigenen Personalarbeit
  • Bewerber erhalten authentische Informationen zum Unternehmen mit Imagegewinn
  • Kritische Feedbacks können teilweise kommentiert werden und bieten so die Chance Meinungen zu korrigieren
  • Auszeichnungen für Bestbewertungen (Gütesiegel) unterstützen die Mitarbeiterbindung (internal branding) und die Mitarbeitergewinnung (external branding); einige Portale bieten auch Kooperationen mit Medienpartner an, wo die Besten in Printmedien beworben werden
  • Einige Portale erlauben die direkte Abwerbung durch Darstellung eigener Anzeigen auf Profilen anderen ähnlicher Unternehmen
  • Kostenpflichtige Imageprofile lenken mit schön aufbereiteten großen Bildwelten auf gewünschte Botschaften des Unternehmens und etwas weg von den Bewertungen
  • Ergänzende strukturierte Selbstbewertungen objektivieren die Bewertungen durch externe Experten
  • Bewerber erhalten die Möglichkeit mehr über das Unternehmen zu erfahren, sich intensiver mit dem Arbeitgeber zu beschäftigen

Nachteile und Risiken von Arbeitgeberbewertungsportalen

  • Mehr negatives als positives Feedback für einen Unternehmen, teilweise plakativ und destruktiv kann zu Imageverlust führen
  • Negatives Feedback kann nur teilweise kommentiert werden, da diese Funktion meist kostenpflichtig ist
  • Nichterhalt oder Verlust einer Auszeichnung bzw. Gütesiegel wird von Interessenten wahrgenommen und kann sich nachteilig beim Vergleich zu anderen Arbeitgebern auswirken
  • Nur kostenpflichtiges Profil sichert, dass keine Abwerbung auf eigenem Profil erfolgt (kritisches Geschäftsmodell einiger Betreiber)
  • Zu starke Image-Orientierung der Arbeitgeberprofile senkt die Glaubwürdigkeit bei Bewerbern. Profile wirken nicht mehr authentisch, sondern von der Marketingabteilung beeinflusst.
  • Ergänzende Audits und Selbstbewertungen sind sehr aufwändig und kostenintensiv (Berichterstellung, vor Ort Besuch, Mitarbeiterbefragung)
  • Ohne eigenes Profil auf wenigstens einen der Arbeitgeberportalen beschäftigt sich ein Bewerber mehr mit den Wettbewerbern, da es zum eigenen Unternehmen leider nichts findet und beendet die Recherche und die Auseinandersetzung. Daraus entsteht die Gefahr, das der Arbeitgeber im Kopf eines Bewerbers unterrepräsentiert ist.

Man kann zwei Typen von Arbeitgeberbewertungen unterscheiden. Die Web1.0 Arbeitgeberrankings wie GreatPlaceToWork, TOP-JOB, Top-Arbeitgeber, etc. Audit / Mitarbeiterbefragung. Hier erfolgt eine Bewertung durch Experten. Unternehmen die teilnehmen erstellen einen Selbstbericht zur Personalarbeit und werden dazu interviewt. Dieses Selbstbild wird mit der Realität durch Mitarbeiterbefragung abgeglichen. Gewinner sind die, welche sehr hohe Standards erfüllen und wo diese durch die Mitarbeiter bestätigt werden. Richtig gemacht, sind diese Aussagen repräsentativ. Die Unternehmen erhalten einen Feedbackbericht. Dieses Feedback und schon gar nicht die Einzelbewertungen der Mitarbeiter sind nicht öffentlich. Diese Audits sind sehr aufwändig und extrem kostenintensiv. Die Siegel/Rankings gelten nur für ein Jahr und müssen ggf. für die nächsten Jahre wiederholt werden. Manche Arbeitgeberrankings arbeite mit Medienpartner zusammen. Bewerber und Mitarbeiter müssen sich auf das Vorgehen der Anbieter solcher Arbeitgeberrankings verlassen, da es hier kaum Transparenz gibt, warum nun ein Unternehmen genau auf Platz XY im Ranking steht.

Anders sieht es bei den Web2.0 Arbeitgeberbewertungsportalen wie kununu, jobvoting, Faire-Karriere, etc. aus. Hier wird für jedes Unternehmen ein Profil auf Basis von Einzelfeedbacks von Bewerbern, Mitarbeitern, Freelancern/Partnern erstellt und durch neue Feedbacks regelmäßig aktualisiert. Trends sind so leicht erkennbar, auch ob Unternehmen das Feedback ernst nehmen und sich bessern. Es gibt immer eine Onlineseite mit Profilinfos und Auflistung der Einzelbeiträge. Meist werden auf diesen Plattformen gleichzeitig Jobbörsen oder Möglichkeiten für Werbeanzeigen angeboten. Interessierte sehen aber teilweise nur einen Bruchteil von Meinungen, der überhaupt nicht repräsentativ sein kann.

Um die Arbeitgeberbewertungsportale zu vergleichen, haben wir folgendes analysiert:

  • Reichweite&Teilnehmer (Mediadaten Zugriffe, Anzahl Organisationen)
  • Employer Branding Unterstützung(Online-Seite mit nachlesbaren Einzelbewertungen (Firmenprofil), Gütesiegel bei hoher Bewertung, Designmöglichkeiten, Medienpartnerschaften)
  • Bewertungsaktivität (Anzahl Bewertungen (Feedbacks) pro Organisation, Ranking - Ranglisten (beste, meiste, neueste), Möglichkeiten für Stellungnahmen für Unternehmen)
  • Eigene Jobbörse (Relevanz-Jobsuche mit Sortierung nach Arbeitgeberbewertung, Anzahl Stellenanzeigen)
  • Keine Abwerbung, Reaktionsmöglichkeiten (Keine Abwerbung durch Anzeigen von Wettbewerbern auf eigenem Profil, Vorrübergehende Bewertungsdeaktivierung (Reaktionsvorbereitung), Keine Anmeldepflicht für Unternehmen, um Bewertungen zu erhalten, Freigabeprozess für Bewertungen dezentral durch Meinungsbildung der teilnehmenden Unternehmen)
  • Wissensaustausch&Lernen (Best-Practice Transfer zwischen Unternehmen (Reifegrade), Audit mit Expertenbericht und Branchenvergleich, Basis strukturierte Mitarbeiterbefragung)
  • Kosten für Arbeitgeber

Ergebnisse des qualitativen Vergleichs von Arbeitgeberbewertungsplattformen

Ergebnisse des qualitativen Vergleichs von Arbeitgeberbewertungsplattformen

Bewerten kann man mittlerweile fast überall! Denken Sie auch an Youtube. Ihre Arbeitgebervideos erhalten Daumen hoch oder runter. Facebook zeigt mit Fans, wie interessant ein Arbeitgeber ist. Das schafft Twitter mit Followers genauso. Ihre Blogbeiträge werden geteilt oder auch nicht. Egal wie - Bewerten Sie mit!